RSS Feed

‘Allgemein’ Category

  1. GO-Kompetenz

    Oktober 5, 2012 by schokostreusel

    Da ich grade am prokrastinieren bin, eine Anmerkung zum BuVo-Streit:

    Es ist nicht ganz klar worüber nun wirklich gestritten wird, darum sind hier kurz die Annahmen zusammengetragen.

    1. Der BuVo streitet sich (yay, nach dem Seipenbusch-Lauer-Vorstand bieten Vorstandssitzungen eh nicht mehr den selben Unterhaltungswert ;)

    2. Es soll Johannes in der geschlossenen Vorstandssitzung in Hamburg nahegelegt worden sein (inklusive Beschluss 8:1), (ob Verbot oder nicht sei mal dahin gestellt) mindestens fürs erste keine Fernsehauftritte zu machen bzw. alle Medien zu meiden.

    3. Johannes hält sich nicht an die Mehrheitsentschiedung gegen ihn und verabredet eine TV-Sendung.

    4. Teile vom Rest des Bundesvorstands sind sauer.

    5. Der Streit wird teilweise dann auf twitter ausgetragen.

    Dort findet sich von Johannes, als Antwort auf die Kritik sich nicht an Mehrheitsentscheidungen zu halten, folgende Aussage:

    “ich respektiere Mehrheitsentscheidungen, wenn sie in der Kompetenz der abstimmenden Gruppe liegen.”

    Es ist nun nicht ganz ersichtlich, ob es sich wirklich um das TV-”Verbot” handelt, aber es spricht doch einiges dafür, darum tun wir so als ob.

     

    Die Frage ist jetzt, in wessen Kompetenzbereich TV-Auftritte liegen und wer wem was sagen darf.

    Die Geschäftsordnung des Bundesvorstands, die die Zusammenarbeit regelt,  gibt dazu folgende Sachen her:

    1Jedes Vorstandsmitglied ist im Rahmen seines Tätigkeitsbereichs und seines Budgets allein zu Entscheidungen berechtigt. 2Je nach Schwere der Entscheidungen ist es angehalten sich vorher mit dem gesamten Vorstand zu beraten und einen gemeinsamen Beschluss zu fassen. 3Bei Überlappung von Kompetenzen entscheiden die betroffenen Vorstandsmitglieder gemeinsam.”

    Hier wird nun nicht geklärt, inwieweit sich ein Bundesvorstandsmitglied an die gemeinsamen Entscheidungen halten soll, es lässt also durchaus Spielraum für Johannes hier entsprechend seines Tätigkeitsbereiches zu handeln. Wobei bei weiterem Lesen der GO, diese Formulierung eher auf eine Zusammenarbeit von z. B. Presse-Buvo und Schatzmeister abzielt, als auf die Personen mit gleichem Tätigkeitsgebiet.

    Außerdem regelt die GO noch die Geschäftsbereiche/Tätigkeitsbereiche der einzelnen Bundesvorstände, die mit folgender Anmerkung versehen sind:

    “(*) Die Zahlen in Klammern geben die Rangfolge an, in der das jeweilige Vorstandsmitglied in dieser Funktion als Vertretung fungiert.”

    Es ist anzunehmen, das Rangfolge durchaus auch “hat das sagen bedeutet”, denn Sven würde als BundesGensek bestimmt auch etwas ungehalten reagieren, wenn Tarzun oder Swanhild hier entgegen seiner expliziten Ansagen (bzw. Ansagen des gesamten BuVos)  im Bereich Mitgliederverwaltung tätig würden.

    Und dort steht bei Johannes “Vertretung der Partei nach außen (Medien und externe Gruppen) (3)” – das heißt, es gibt mindestens zwei Bundesvorstände, nämlich Bernd und Sebastian, deren Zuständigkeit es eher als ist die von Johannes. Dazu gehört im Zweifel nicht nur, die tatsächliche Vertretung nach außen, sondern auch die Überlegungen, wie die Partei und von wem nach außen vertreten werden soll.

    Zusätzlich ist auch die Zuständigkeit für Presse nicht bei Johannes, sondern bei den restlichen Mitgliedern des Vorstandes.

    Wenn es also bei dem Streit um die Außendarstellung geht, so widerspricht Johannes eigentlich den verabredeten Regeln des Vorstands, dass sowas dann Streit verursacht ist natürlich klar. Selbst wenn man von den anderen 8 Vorstandsmitgliedern die aus der Entscheidung rausnimmt, deren Aufgabe (aka. Kompetenbereich) nicht die Außendarstellung ist, so wird Johannes immer noch von 2 höherrangigen zuständigen Bundesvorstandsmitgliedern überstimmt.

    So zumindest eine Interpretationsmöglichkeit der BuVo-Geschäftsordnung, die sich natürlich auch auf die anderen Tätigkeitsgebiete übertragen ließe. Die Geschäftsordnng regelt die Zusammenarbeit und nach diesen Überlegungen und den wenigen bekannten Fakten ist zumindest die verlinkte Twitter-Argumentation von Johannes nicht ganz haltbar, der Unmut der anderen entsprechend nachvollziehbar.

    Was für Möglichkeiten gibt es nun den Konflikt aufzulösen?

    Zum einen könnte man die Tätigkeitsbereiche in der GO neu verteilen. Also Johannes diese Kompetenz nehmen oder ihm gleichen Entscheidungsrang geben. In beiden Fällen müsste sich der Rest des Bundesvorstands. nach dem er seine Kritik bereits geäußert hat, nicht mehr für das Verhalten von Johannes rechtfertigen.

    Man kann es natürlich auch dabei belassen. Dafür gibt es Tätigkeitsberichte und im Zweifel eine Einzelentlastung des Vorstands. Dort kann die Basis dann noch einmal bewerten ob sie mit einem Bundesvorstand zufrieden ist oder nicht.

    Unabhängig davon, sollte der Bundesvorstand noch einmal über die Definition und Entscheidungsrangfolge der verschiedenen Tätigkeitsbereiche nachdenken um hier Klarheit für jedes Vorstandsmitglied zu schaffen, welche Befugnisse/Entscheidungskompetenzen ihm durch die entsprechende Rangfolge eingeräumt werden und wie ein Verstoß gegen entsprechende Entscheidungen vom Rest gewertet werden wird.

    Alles in allem ist der Streit im Moment gar nicht so schlimm. Da haben wir früher schon wesentlich schlimmer Sachen erlebt und sollte auch von uns nicht überinterpretiert werden.

    Unsere lieben Bundesvorstände sind ja nun auch erwachsen und ich denke mal in der Lage diesen Konflikt irgendwie zu lösen. Ansonsten müssen wir eben an die strategischen Popcornreserven. Oder natürlich das mit dem Programm machen. Wisst schon.

    P.S. Es sei noch gesagt, dass mir leider keine gute Stelle über den Weg gelaufen ist, um einen Eilkompetenz-Witz einzuschieben ;) Achja, die guten alten Zeiten.

     


  2. Ein Vorschlag zur Berbesserung von Liquid Democracy

    April 2, 2012 by schokostreusel

    Andi und ich haben einen Blogpost zu Thema Probleme und Verbesserungsvorschläge zu Liquid Democracy geschrieben.


  3. Ein Klarnamens-Wahlcomputer ist immer noch ein Wahlcomputer

    April 2, 2012 by schokostreusel

    Die Debatte um die ständige Mitgliederversammlung beginnt langsam und ich möchte einen wichtigen Punkt zum Thema Liquid-Feedback und Wahlcomputern machen.

    Das geheime Abstimmungen über Computer oder ein Online-System manipulierbar sind, das hat uns der CCC oft genug erzählt und den meisten Leuten erschließt sich nach einer kurzen Diskussion, dass eine Manipulation durch Admins stets im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Der Schluss ist relativ einfach – Geheime Wahl mittels Compuer => Manipulierbarkeit.

    Die Lösung für Anhänger der ständigen Mitgliederversammlung ist ein Klarnamens-Liquidfeedback. Das heißt, eine anonyme Teilnahme am System ist nicht möglich, jeder muss mit seinem Bürgerlichen Namen identifizierbar sein. Denn, so der Gedanke, wenn ich den Namen jeder Person kenne, die abstimmt, so kann ich im Zweifel überprüfen ob geschummelt wurde. Auf meine Einwände, dass eine Abwägung zwischen einer für jeden nachprüfbaren Abstimmung und der Schaffung einer Datenbank mit den politischen Entscheidungen, Beziehungen und Gewohnheiten unserer Mitglieder noch kein ausreichender Abwägungsprozess  stattgefunden hat, wurde ich mehrfach drauf hingewiesen, dass es nur mit offenen Abstimmungen funktionieren kann und eine Abwägung höchstens im Rahmen von Speicherfristen geschehen soll.

    Und hier kommt man meiner Meinung nach zum Fehlschluss. Die Negation von geheime Abstimmung=> manipulierbar ist zwar nicht manipulierbar => nicht geheim also gleich offene Abstimmung und damit die Forderung nach einer Identifizierung aller Abstimmenden, aber das ist ein Trugschluss. Denn auch ein System mit offenen Abstimmungen ist weiterhin manipulierbar.

    Die einzige Möglichkeit sicherzustellen, dass eine Abstimmung nicht manipuliert wurde, beziehungsweise die Stimmabgabe dem Wunsch der Abstimmenden entspricht (auch hier existiert bereits ein Unterschied), ist wenn mir jeder Teilnehmer persönlich versichert, dass System und seine Stimme deckungsgleich sind.  Das funktioniert bei Günther Jauch im Studio, wo Kandidat und Zuschauer direkt den Effekt sehen, auch im Bundestag könte man sich ein Knöpfchen-System vorstellen, bei der alle Abgeordneten ihre Stimme überprüfen können.Das funktioniert bei Umlaufbeschlüssen einer Fraktion oder eines Vorstands.

    Die wichtige Tatsache ist, Abgeordnete und Spielshow-Kandidaten haben ein hohes Interesse daran, ihre Stimme richtig gezählt zu wissen. Das funktioniert im Kleinen, aber ich bin davon überzeugt, dass es nicht skaliert.

    Und damit sind wir beim eigentlichen Problem. Auch ein System mit offenen Abstimmungen ist manipulierbar. Menschen sind keine Computer und verhalten sich auch nicht so. Selbst wenn es einen Systemneustart gibt und jeder Pirat wirklich nur einmal namentlich akkreditiert wird, so wird sich hier wieder eine Aufteilung in aktive und weniger aktive oder gar inaktive Piraten ergeben und somit in Piraten, die ein Interesse daran haben, ihre Stimme zu überprüfen und Piraten, die daran kein Interesse haben. Sich das Passwort und im Zweifel Zugang zum e-Mail-Account einer Person zu verschaffen ist kein Ding der Unmöglichkeit, das Geschick besteht nur darin, jemand zu erwischen, der momentan wenig Interesse hat.

    Und solche Leute gibt es. Das zeigen Teilnahmequoten an Umfragen, das zeigen Nicht-Reaktionen von Antragsstellern auf wichtige, formale Fehler in ihren eigenen Anträgen, das zeigt sich an vielen kleinen Stellen im Piratenleben. Man kann sich die Konten auch einfach aus dem aktuellen Liquid-Feedback nehmen und dann wieder suchen. Ein Admin oder jemand mit Zugriff auf die Mtigliederverwaltung hat es noch einfacher, denn er kann sich anschauen, wer auf e-Mail-Aufrufe überhaupt reagiert. Natürlich ist die Zahl derer die, zu Real-Live-Treffen kommt und nicht auf e-Mails reagiert, nicht riesig, sie ist aber auch nicht Null, es gibt immer Phasen mit Aktivitätsschüben, auch innerhalb einer 444-tägigen Periode.

    Was pasiert also, wenn es irgendwann Zweifel an einer Abstimmung gibt? Man wird dazu aufrufen, sich die Datenbankdumps anzuschauen und zu überprüfen. Die fleißigen, die Aktiven, die Ehrlichen werden sich melden und langsam füllt sich die Liste derer, deren Stimme korrekt gezählt wurde.  Einige werden sich Mühe geben und versuchen weitere Leute zu kontaktieren, aber ab einer gewissen Teilnehmerzahl, wird diese Liste niemals für alle Teilnehmer und alle Abstimmungen vollständig sein. Was machen wir dann mit dem Ergebnis? Wegwerfen? Was, wenn nur einer fehlt und die Stimme keinen Unterschied macht? Ist es dann immer noch legitim? Ab wieviel Stimmen ist es das vielleicht nicht mehr? Wie lang wartet man auf Rückmeldung? Was wenn jemand 4 Wochen im Urlaub oder im Krankenhaus ist?

    Auch offene Abstimmungen sind ab einer gewissen Größe manipulierbar und selbst wenn keine Manipulation stattgefunden hat, man kann höchstwahrscheinlich nicht nachweisen, dass sie nicht stattgefunden hat. Das heißt auch ein Klarnamens-System ist ein Wahlcomputer.

    Das heißt, ab einem bestimmten Grad an gefühlter Sicherheit, sind viele bereit Wahlcomputer zu akzeptieren. Und genau das ist der wichtige Punkt innerhalb der Debatte um Liquid-Feedback und die ständige Mitgliederversammlung. Mit oder ohne Klarnamen, es ist beides Mal ein Wahlcomputer, aber das heißt auch, dass es eben doch eine Abwägungsfrage gibt. Es gibt kein “entweder namentlich oder gar nicht”.  Es gibt ein Argument, dass es schwerer ist namentliche Abstimmungen zu manipulieren, als solche, die auch anonyme bzw. pseudonyme Stimmabgaben zulassen. Das bestreite ich nicht. Aber wir sind eben auch eine Partei, die sich oft gegen Datensammlungen und besonders gern, gegen solche, die sensible Identitätsbereiche berühren, aussprechen.

    Das heißt, die Debatte um eine ständige Mitgliederversammlung ist eine Debatte um Legitimität von Ergebnissen und deren Verwendung, Vertrauen in die Sicherheit des Systems und der Teilnehmer sowie Administratoren, Datenschutz innerhalb und außerhalb der Partei, Ansprüche und Realitäten von Nachvollziehbarkeit und das ganze vermischt mit einer Debatte um ein Tool, das auch so noch einige Schwächen hat, aber keinesfalls nur die Frage nach Klarnamen, ja oder nein.

    Ich bin zum Beispiel durchaus bereit, auch mit den jetzigen semi-anonymen Zugangsmöglichkeiten offizielle Positionen für die Zeit zwischen zwei Parteitagen zu beschließen. Meine Bedingung ist nicht die Pflicht zu Klarnamen, meine sind kollektive Abstimmungsphasen zum Beispiel immer am Ende eines Monats (oder aller 3 Wochen, egal) und der Wegfall der transitiven Delegationsweitergabe.

    tl;dr Auch Klarnamens-Wahlcomputer sind Wahlcomputer und deswegen ist die Abwägung Nachvollziehbarkeit vs. Politik-Meinungsdatenbank noch nicht beendet.

     

     


  4. Today’s Links

    Januar 13, 2012 by schokostreusel

    Digest powered by RSS Digest


  5. Nur noch 2 Wochen

    Januar 12, 2012 by schokostreusel

    bis zum Kinostart von One for the Money!

    Hoffe doch, dass es da möglichst früh eine Raubmordkopie im Internet gibt, damit ich nicht bis April warten muss :-)

    Ich kann die Bücherreihe von Janet Evanovich über die chaotische Kopfgeldjägerin Stephanie Plum nur empfehlen.

    <iframe width=”560″ height=”315″ src=”http://www.youtube.com/embed/hQBD1olZe8U” frameborder=”0″ allowfullscreen></iframe>


  6. Infografik zu Guantanamo

    Januar 12, 2012 by schokostreusel

    Eine schöne Zusammenfassung über die Gefangenen in Guantanamo, deren mangelnde Prozesse und andere demokratieunwürdige Fakten:

    Quelle: http://www.aclu.org/national-security/guantanamo-numbers


  7. Warum Wissenschaft Awesome Ist

    Dezember 19, 2011 by schokostreusel

    Ich starte mal eine Serie Namens “Warum Wissenschaft Awesome ist.”

    Beginnend mit folgendem Zitat aus einem Science Daily- Artikel:

    “When one of the Hox genes in fruit flies is mutated, for example, legs will grow where antenna should be.”

    Zu deutsch: Wenn man eines der Hox-Gene in Fruchtfliegen manipuliert (gezielt mutiert), dann wachsen Beine wo sonst Antennen sein müssten.

    Hox-Gene spielen in der frühen Entwicklungsphase eine Rolle um eine Orientierung von oben/unten bzw. links/rechts oder vorne/hinten zu bekommen. Macht ja auch Sinn, stellt euch mal vor wie blöd Stühle aussehen müssten, wenn Knie nach hinten statt nach vorn knicken würden.
    Was macht man also: einfach mal so ein Gen mutieren um zu schauen wofür es zuständig ist und wie es funktioniert. Und dann hat man halt Fruchtfliegen die Beine als Antennen haben. Ist das nicht cool?

    Ansonsten geht es in dem Artikel darum, dass man bisher angenommen hat, dass alle Wirbeltiere mit Kiefern mindestens je ein Gen aus vier bekannten Hox-Gen-Clustern haben. Bis zu dieser Studie hatte man die auch immer gefunden- man hat sogar spaßeshalber ein Hox-Gen von einem Huhn an die entsprechende Stelle bei Fruchtfliegen eingesetzt und die Fruchtfliegen haben sich entwickelt als wär nix gewesen.

    Aber so ein oller Hai macht wieder einen Strich durch die Rechnung. Beim Kleingefleckten Katzenhai und einer Rochenart (ist sie nicht süß?) hat man kein Gen der HoxC-Gruppe gefunden. Oller Rochen - gemopst hier: http://www.ncrr.nih.gov/publications/ncrr_reporter/fall2010/recovery_act.asp Also hat man nochmal das ganze Genom durchsucht und auch nichts gefunden.

    Was lernen wir daraus? Leider kann man nicht, nur weil es bisher immer geklappt hat, von einer Art auf die nächste schließen, weil einem dann vielleicht ein Hai einen Strich durch die schöne Theorie macht.


  8. Warum ich glaube, das Sekor sein Vorstandsamt nicht ausnutzt

    Dezember 13, 2011 by schokostreusel

    Im Zuge des PA284 hat sich eine kleine aber lautstarke Minderheit gesammelt, die den Beschluss oder auch gleich alles was mit BGE zu tun hat, ablehnt. Diese hat nun in Sekor mehr oder weniger freiwillig  ihren Vertreter gefunden. Ich schreibe mehr oder weniger freiwillig, weil die Presse(tm) sich nicht sonderlich für die Meinung des Basispiraten Nummer 12345 interessiert, sondern eigentlich immer fragt, welcher Posten diese Meinung interessanter macht als der Sack Reis in China. Ist nicht schön, ist aber so.

    Einige bayrischen Piraten finden das nun nicht so prickelnd und hätten gern einen Vorstand der mittlerweile am besten gar keine eigene öffentliche politische Meinung hat, hauptsächlich natürlich diejnigen, die sich von Sekor nicht vertreten fühlen.

    Früher hieß es, wenn ich mich richtig erinnere: “Ein Vorstand darf nicht die eigene Meinung als Parteimeinung ausgeben.” – Das kann man Sekor nun schwerlich vorwerfen, wird doch immer wieder gleich zu Anfang in Interviews betont, dass er die Minderheit des BPT-Beschlusses vertritt.

    Anscheinend wird sich hier gewünscht, dass ein Vorstand keine Meinung äußern darf, die gegensätzlich zu einem Parteitagsbeschluss steht, was ich in Zeiten einer programmatischen Ausweitung von den Kerrnthemen weg schwierig finde.

    Unabhängig von der Frage ob ein Vorstand nun eine politische Meinung haben soll oder nicht, glaube ich, dass es durchaus Sekors Aufgabe ist, seine Meinung auch öffentlich zu vertreten. Die Sache mit den Populisten war sicherlich überzogen, aber ich glaube nicht, dass er sein Amt “ausnutzt”.

    Ich glaube wir alle haben schon mal gehört, dass die Südpiraten recht skeptisch gegenüber einem BGE sind. Vor allem in Bayern gab es nach dem GP050 eine größere Phase der Demotivation und auch einige Austritte. Selbst in Thüringen, die wir ja eher Mitteldeutschland sind, gibt es noch eine nicht kleine Anzahl an BGE-Skeptikern. Auch nach dem Beschluss zu PA284 machte sich in einigen Teilen wieder Enttäuschung breit.

    Der Landesvorstand hat es (mit der Hilfe von anderen fleißigen Piraten) nun geschafft eigene Projekte ins Leben zu rufen, wie das Volksbegehren gegen Studiengebühren und die Klage gegen den Bayerntrojaner. Es wäre blöd, wenn jetzt die mangelnde Motivation wegen des PA284 diese Projekte gefährdet.

    Mit seiner öffentlichen Kritik kann er es schaffen, den “Verlierern” des BGE-Beschlusses jemanden zu geben, der Pirat ist und ihre Meinung vertritt, auch wenn es vielleicht keine Mehrheitsmeinung ist. Er wandelt im Prinzip eine passive Enttäuschung, die vielleicht zu Austritten, Demotivation oder Nichtbezahlung des Mitgliedsbeitrages führt in eine aktive BGE-Kritik. Auch mit der Umfrage geht es darum, die Meinung, derjenigen, die sich überstimmt fühlen, ernst zu nehmen.

    Sekors Art Kritik am BGE-Beschluss zu äußern mag nicht immer die feine Englische Art gewesen sein. Wobei sich da sicherlich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckern. Wie man das besser macht, dazu Jans Blogpost lesen. Aber herauszufinden, wie viele seiner Leute, die ihn gewählt haben, ebenfalls nicht mit dem Beschluss einverstanden sind und diese zu vertrteten und aufzufangen fällt durchaus in sein Aufgabengebiet. Er muss schließlich auch irgendwo aufpassen, dass ihm die aktiven Piraten nicht weglaufen.

    P.S. Jetzt gibt es natürlich das Problem, dass die BGE-Befürworter sich in Bayern als Minderheit fühlen.


  9. Germany’s Next Top Model als Reclam-Heft

    Dezember 8, 2011 by schokostreusel

    Eine wunderbare Sache haben zwei Typografiestudenten erstellt:

    GNTM – das Finale als Reclam-Heft – inklusive aller dummen Sprüche.


  10. Eine Anekdote zum Thema “Wow, ein ABC, dass XYZ kann.”

    Dezember 8, 2011 by schokostreusel

    Es ist Freitag Abend in Offenbings und die Weinstube ist überfüllt, also machen wir uns auf dem Weg zum Wilhelmsplatz, weil da noch Platz sein soll. Als Nicht-Smartphone-Besitzer habe ich mir im Hotel einen analogen Stadtplan mitgenommen, auf dem praktischerweise die wichtigsten Sachen bereits eingezeichnet sind.

    Auf dem Weg vom Hotel zur Weinstube wurde mir mit dem Hinweis der Akku-Schonung auch kommentarlos die Wegführung überlassen. Zwischen Weinstube und Wilhelmsplatz machten wir noch einen kurzen Zwischenstop am Auto und als ich den weiteren Weg verkündigte, fiel der Satz, wie ich ihn schon öfter in solchen Situationen gehört habe.

    “Wow, eine Frau die Karten lesen kann.”

    Ich, als einzige mit 2 X-Chromosomen, quittierte den Satz nur mit einem “Ich werde jetzt einfach so tun, als ob ich das jetzt nicht gehört hätte”, musste mich ja darauf konzentrieren, dass wir uns nicht verlaufen und zügig an Alkohol kommen.

    Das Problem an diesem Satz offenbart zum Beispiel die folgende Studie (nicht die erste iher Art).

    Kurz zusammengefasst steht da drin: wenn ich Menschen (in dem Fall Frauen) ständig erzähle, dass sie etwas nicht können und ihnen jegliches Selbstvertrauen in dem Bereich nehme (hier räumliche Orientierung), dann sind diese Menschen auch wesentlich schlechter in diesen Aufgaben. Eine selbsterfüllende Phrophezeihung, sozusagen.

    Oder: wenn ich von klein auf lerne, dass Frauen nicht Auto fahren/Karten lesen/sich räumlich orientieren können, dann haben sie meist keine große Motivation nach dem ersten oder zweiten Scheitern weiterzumachen, ist ja vermutlich genetisch oder so, wieso also die Mühe machen?

    Nicht nur, dass so ein Satz eine Beleidigung für das gesamte Geschlecht ist, es ist auch eine Beleidigung für mich, der Subtext ist nämlich: “Oh schau, eine von den Dummen hat es tatsächlich geschafft.” Es setzt mich in eine Aussenseiterposition, in der ich stolz darauf sein soll, nicht bzw. besser “wie die anderen Frauen” zu sein, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass es mir schwerer fällt “die Unfähigen” zu verteidigen ohne mich selbst wieder der Gruppe der Unfähigen zuzuordnen. Er mag als Kompliment oder Feststellung gemeint gewesen sein, aber das ist es nicht.

    Ähnliche Sätze lauten: Oh, eine Frau, die ein Linux hat, die einparken kann, jemand der es von der Hauptschule an die Uni geschafft hat, ein Mann, der Windeln wechseln kann, usw. und so fort. Wobei vor allem besonders gerne Frauen gewisse Fähigkeiten abgesprochen werden.

    Wir sollten Menschen nicht auf Grund ihrer Gruppenzugehörigkeit prinzipiell bestimmte Fähigkeiten absprechen. Ja, Männer können vielleicht (noch?) keine Kinder gebären. Aber Mathe, Wissenschaft, einparken, Karten lesen, Windeln wechseln, Kinder betreuen, Computer bedienen, mehr aus sich machen, als von der Schule gleich in Hartz4 zu rutschen, all das sind Fähigkeiten die jeder von uns lernen kann. Und sie lernen es am besten, wenn man ihnen nicht von vornherein immer wieder erzählt es nicht zu können.

    Darum ein Appell an uns alle, solche abwertenden Sätze zu unterlassen und noch viel wichtiger: solche Sätze, wenn einmal geäußert, nicht mit einem leicht beschämten Lachen einfach im Raum stehen lassen. Unser Frauenmangel in der Partei stammt vermutlich auch daher, dass unsere Eltern solche Sätze einfach im Raum stehen lassen haben.