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Bild.de, Pornosteffi und die Schadenfreude

2011/03/11 by schokostreusel

Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Heute im Fall von Bild.de, denn die Webseite ist auf Grund von installierter Filtersoftware in einer Berliner Stadteilsbibliothek nicht aufrufbar. Mehr Details finden sich auf der Bild-Seite, aber ich verzichte hier auf die entsprechende Fußnote.

Der O-Ton des empörten Bild-Lesers spricht dann auch gleich von einer Zensur wie in China. Und am Ende hat er ja auch irgendwie Recht.

Das Problem an der Sache ist, das die bei der Bild sehr beliebte Frau Stefanie von und zu Guttenberg, die in der letzten Zeit kaum noch von sich hören lässt, auf einer anderen Ebene absolut für Internetfilter ist. Natürlich nur zum Wohle der Kinder.

Bei Missbrauchsdarstellungen ist man sich da relativ schnell einig, das man das wegfiltern muss, statt besserer Prävention und länderübergreifender Zusammenarbeit beim Löschen derselben.

Aber wer das Internet als gefährlichen Raum sieht, wo Kinder allen möglichen Gefahren hilflos ausgeliefert sind, wie es z.B. Pornosteffis Verein Innocence in Danger tut, der muss die lieben Kleinen auch vor alltäglichen Gefahren schützen. Das fängt bei bösen Computerspielen an, geht über pro-ana Foren und den Süßigkeitenanbietern mit dunklem Auto in Chatforen hin zur Pornografie und alles was irgendwie “jugendgefährdend” ist.

Und statt auf sinnvolle Aufklärung zu setzen und den Kindern und Eltern verwantwortungsvollen Umgang mit Medien beizubringen, setzt man in Deutschland auf einen restriktiven Ansatz, bei dem man alles von den Kindern wegfiltern muss.

Was bei CDs, Spielen und im Fernsehen funktioniert, klappt im Netz aber nicht. Trotzdem setzt man gern auf Jugendschutzfilter, die, wie man im Laufe der letzen Verhandlungen zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag gesehen hat, noch nicht offiziell zertifiziert existieren.

Denn es wird zu viel Erlaubtes weg- und “Verbotenes” nicht gefiltert. Bis jetzt konnte die Bild immer für Filter sein, denn im JMStV wären Online-Angebote von Printmedien (ich schreibe bewusst nicht Zeitung) von den Filterregeln ausgenommen gewesen. Unsere arme, gefährdete Jugend hätte so weiterhin ohne Probleme auf die Nacktbilder dort zugreifen können.

Die Bibliothek aber hatte vermutlich keine Lust auf die offiziell genehmigten Filter zu warten und hat Filter-Software aus dem Ausland bezogen und deren Nacktbild-Suchalgorithmen fielen vermutlich die Schmuddelbilder auf. Da Bibliotheken und Schulen aber gerne Schutzfilter einsetzen, durfte die Bild die Nachteile auch mal am eigenen Leib erfahren (vermutlich eine gesetzliche Regelung, die nur so die unbeaufsichtigte Nutzung öffentlicher Computer möglich macht -  Link anyone?)

Vielleicht wird jetzt auch dem ein oder anderen Bildleser klar, wieso Inhaltsfilter im Internet keine gute Idee sind.

Denn was in China staatlich geregelt ist und die ganze Bevölkerung betrifft, soll zum Schutz der Kinder in Deutschland staatlich bzw. halbstaatlich entschieden werden, was man von Schulen, Bibliotheken und anderen öffentlichen Netzen aus noch lesen und anschauen darf. Dabei haben die meisten Filterbefürworter sicherlich nur gute und noble Absichten im Sinn, aber die Musikindustrie freut sich ja zum Beispiel seit langem endlich auf eine entsprechende Lösung.

Nobel geht hier die Welt zu Grunde.

Und ich wehre mich dagegen das mir (legale) Inhalte jedwelcher Art nicht zugänglich sind und das man Kinder und Jugendliche daran gewöhnt unter solchen Einschränkungen aufzuwachsen. Wäre ja nicht das erste mal, das so was schief geht. Stattdessen sollte man endlich anfangen den Menschen zu erklären, das das Internet nicht böse ist, wenn man weiss, wie man damit umzugehen hat.


One comment on “Bild.de, Pornosteffi und die Schadenfreude

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