Denn so was gibt es gar nicht, wenn man dem Spiegel glauben darf. Beziehungsweise Christian Fahrenbach - Autor bei der Jugend!-Zeitung YAEZ, die den Artikel auch in der Rubrik Schulspiegel unter dem Titel “Die neuen Nerds – Gefeierte Fachidioten” veröffentlicht hat. Es folgt ein halber Rant.
Wo doch Nerds dank Sheldon Cooper, Bill Gates, Julian Assange und Mark Zuckerberg (really?) langsam auch im Mainstream auftauchen (und die Weltherrschaft an sich reißen!!!), muss man mal untersuchen was denn so ein Nerd ist. Grob zusammengefasst ein leicht bis stark asozialer, unsportlich – darum pummeliger Außenseiter, mit unter Umständen mangelnder Hygiene, der sich mit irgendwelchem “Zeugs” intensiv beschäftigt. Wobei “Zeugs” irgendwas sein muss, was “uncool” ist, wie Bücher oder Technik oder gar Naturwissenschaften oder so. Außerdem trägt der Nerd gern Hornbrillen und hängt auch mal an Muttis Rockzipfel. Kurz: unattraktiv.
Aber vor allem eines: männlich.
Der Artikel plätschert dahin und versucht herauszufinden, wo denn das Wort herkommt und ist inklusive “Der Nerd-Style von heute” eine etwas lieblose Stereotypisierung. So weit nix neues. Am Ende wird dann noch gefragt, ob das Bemühen nach Abgrenzung nicht etwas nerdig sei. Selbstverständlich gibt es eine internationale Verschwörung der Nerds sich freiwillig als Außenseiter zu verhalten und die Hornbrille ist das inoffizielle Erkennungsmerkmal der Freimauer-Nerds. Das hat absolut nichts mit den sozialen Verhältnissen an den Schulen zu tun und das man halt statt lokaler Kontakte sich Menschen mit gleichen Interessen im Netz sucht.
Nicht eine weibliche Person ist berühmter Nerd, nur einmal werden Frauen überhaupt erwähnt: denn erfolgreiche Nerds sind reich und deswegen gibt’s dort auch Frauen auf den Partys.
Für die obligatorische Klickstrecke kann man hübsche Frauen immerhin als Nerd verkleiden (inklusive Hornbrille), denn sind wir mal ehrlich – wer will schon picklige Geeks anschauen, selbst wenn der Artikel von selbigen handelt? Und da es ja in dem Artikel um Männer geht und von denen auch gelesen werden soll, da braucht man natürlich etwas Hübsches zum angucken. Nur Model-Bilder – nicht ein einziges Bild von den Sachen, mit denen Nerds sich so intensiv beschäftigen. Und so eine Klickstrecke mit hübschem Model muss ja für Kerle, besonders die, die im echten Leben ja nie eine Frau abbekommen können, total interessant sein.
Jedenfalls wird klar, Frauen sind keine Geeks, keine Nerds und auch keine Hacker. Frauen sind zum Angucken da.
Fazit: sexistischer, stereotyper, mieser, frauenfeindlicher Artikel und dann auch noch in einem Jugend-Magazin. Tolle Sache.
Beziehungsweise es gilt das übliche “there are no women on the internet” – hier halt “there are no female nerds”. Fail, fail, fail.
Zur Aufmunterung:
Ich muss dir recht geben, ein einfach nur schlechter Artikel. Plumpes runter rattern von Vorurteilen und am Ende ein deutlich misslungenes “Jetzt macht den armen Nerd doch nicht dumm.”
Aber hast du dir mal den Nerd-O-Mat angesehen. ( http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,660162,00.html ) Der Einleitungstext toppt das ganze noch an Oberflächlichkeit und Diskriminierung. Und da wundert sich noch einer, dass keiner das so wichtige Fach Informatik studieren will? Das Informatiker/Nerds sich eben doch auf mehrdeutige Kommunikation verstehen beweisen sie hingegen mit den selbstironischen Fragen.
[...] Piratenkeks regt sich über einen Schulspiegel-Artikel auf. Danach gibt es keine weiblichen Nerds, sondern Frauen nur als hübsche Deko erfolgreicher [...]
Dein Artikel ist wunderbar treffend. *beide Daumen hoch*
Über den doofen Spiegelartikel habe ich mich nämlich auch schon ziemlich geärgert.
Ich habe den spon Artikel nur überflogen, da er bei mir einige Spamkriterien getiggert hat, werde mich also jetzt ausschließlich deinem Text widmen:
Also statistisch betrachtet, werden wohl mehr männlich sozialisierte Individuen als Nerd betrachtet als nicht-männlich sozialisierte. Wenn Nerds als Sonderrolle, also Minderheit (wegen “uncool”), definiert werden, dann ist diese Häufung durchaus zu erwarten, da bei männlich sozialisierten Menschen die Norm zwischen arithmetischem Mittel der Individuen und Individuellen Werten im Mittel von dem Mittel stärker abweicht. Also mehr, die sich irgendwie “extrem” verhalten. Insofern ist in der zwei-geschlechtlichen Logik durchaus davon auszugehen, das in einem solchen Artikel eben mehr von “Männern” geredet wird. Aber wenn soziale Fähigkeit, welche für ökonomischen Erfolg zweifelsfrei benötigt wird, eine sichere Gegenanzeige für Nerd ist, warum werden diese dann als Nerd bezeichnet? Und warum wahrgenommen?
Imo ist das eher (wenn ich meinem Spamfilter trauen kann) ein Artikel, welcher aus den Zutaten “(pseudo)exotisches Thema” und “optisch massentauglich” gematscht wurde, ohne inhaltlichen Mehrwert. Warum dann veröffentlichen?
(Ich habe gerade irgendwie mehr offene Fragen als zu Beginn des Kommis)
Das die Mehrheit der gesellschaftlich als “Nerd” definierten Menschen männlich ist, muss man so wohl erst mal akzeptieren. Aber einem Autor sollte irgendwann auffallen, das die Nerd-Kultur nicht ausschließlich männlich ist, was ich hier kritisiere. Mehr, von mir aus, ausschließlich find ich aber befremdlich.
Zu der Tatsache, das männliche Personen eine größere Varianz bezüglich des normalen Verhaltens haben sollen, würd ich sagen, das das glaub ich von der Definition von “normalem Verhalten” abhängt. So was ist ja bei IQ-Tests durchaus nachgewiesen, aber ob sich das auf Verhalten übertragen lässt müsste man mal schauen. Eventuell (und da bin ich nun wirklich kein Experte) hat es ja damit zu tun, das in westlichen Gesellschaften das Normale per default häufig männlich ist und somit fallen Abweichungen halt stärker ins Gewicht.
Und Frauen wird ja generell eine soziale Kompetenz zugesprochen, weshalb frau vermutlich kein Nerd sein kann. Und die mangelnde Sozialkompetenz ist vermutlich ein häufiges-Kann für den Nerd, aber kein muss. Weshalb es eben auch erfolgreiche Nerds gibt/gab. Bzw. der Erfolg mittels Kollegen/Manager erreicht wurde.
Und zum Artikel. Ich fand ihn auch recht langweilig, aber ich hab es nicht gern, wenn mir irgendwo implizit oder explizit die Existenz abgesprochen wird.
Auch der SchulSPIEGEL macht vor Plagiaten nicht halt, huh?
Aber deinen Beitrag fand ich sehr treffend.
[...] der Blogschau berichteten wir von Piratenkeks’ Rant über die Unsichtbarkeit weiblicher Nerds, von der Unsichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen ganz zu [...]
Zur Aufheiterung, ein Text von mir: “Wie niedlich, ein Nerd!”
http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2010/10/21/wie-niedlich-ein-nerd.aspx